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20. Juli 2020

DIN 4109-5: Neue erhöhte Anforderungen an den Schallschutz

von Solitair Kluth

DIN 4109-5 veröffentlicht und löst damit Beiblatt 2 zu DIN 4109 ab.

Mehr als ein Jahr nach dem Entwurf ist jetzt die DIN 4109-5:2020-08 erschienen. Diese definiert die erhöhten Anforderungen an den Schallschutz im Hochbau und löst das Beiblatt 2 zu DIN 4109:1989-11 und die DIN SPEC 91314:2017-01 ab. Bei Treppen und Balkonen wurden die Anforderungswerte an den bewerteten Norm-Trittschallpegel L′n,w aus dem Entwurf übernommen. Die Anforderungen an Laubengänge wurden um 3 dB gegenüber dem Entwurf entschärft.

Es ist bekannt und durch Gerichtsurteile bestätigt, dass im Qualitäts- und Komfortwohnungsbau die Mindestanforderungen der DIN 4109 nicht mehr ausreichen. Zur Bauabnahme sind die anerkannten Regeln der Technik (a.R.d.T.) geschuldet. Doch woher wissen Planer oder Bauherren welche a.R.d.T. zur Bauabnahme gelten? Daher orientieren sich die Anforderungen gegenüber dem Bauherrn und der Nutzer häufig an den erhöhten Anforderungen, die damit meist den privatrechtlichen Mindestanforderungen entsprechen und in einer werkvertraglichen Vereinbarung festgehalten werden.

Erhöhte Anforderungen werden in verschiedenen Veröffentlichungen beschrieben. Das Beiblatt 2 zu DIN 4109:1989-11 hat sich bei vielen Planern über die Jahre durchgesetzt. Dieses wurde überarbeitet und als DIN 4109 Teil 5 veröffentlicht. Gemäß der Definition stellen die erhöhten Anforderungen eine wahrnehmbare Verbesserung gegenüber den Mindestanforderungen dar. Die Fachwelt spricht beim Trittschallschutz von einer Verbesserung bei 5 – 7 dB.

2016 und 2018 wurden die Mindestanforderungen an den Schallschutz im Hochbau in der DIN 4109-1 überarbeitet. Gerade bei Treppen haben sich die Mindestanforderungen an den bewerteten Norm-Trittschallpegel L′n,w in den letzten Jahren deutlich verschärft. Die Mindestanforderungen an Treppen in Mehrfamilienhäusern wurden von 58 dB auf 53 dB geändert und in Doppel- und Reihenhäusern von 53 dB auf 46 dB.

Damit wird die zunehmende Bedeutung des Schallschutzes bei Treppen in den Mindestanforderungen berücksichtigt. In Doppel- und Reihenhäusern allerdings entsprachen die erhöhten Anforderungen an Treppen in den letzten vier Jahren den Mindestanforderungen (L′n,w = 46 dB) und stellten somit keine wahrnehmbare Verbesserung mehr dar. Dies ist jetzt durch die Veröffentlichung der DIN 4109-5 abschließend geklärt. Die neuen erhöhten Anforderungen an Treppen in Doppel- und Reihenhäusern liegen nun bei L′n,w = 41 dB. Zwar waren diese Anforderungen bereits in der DIN SPEC 91314 definiert, ihre Verwendung hatte sich jedoch nicht überall durchgesetzt. Daher wurde der Wert der DIN SPEC in den Teil 5 übernommen.

  • Treppen in Doppel- und Reihenhäusern um 5 dB verschärft

Die neuen erhöhten Anforderungen der DIN 4109-5:2020-08 in Mehrfamilienhäusern an Treppen liegen bei L′n,w = 47 dB, an Laubengänge bei L′n,w = 48 dB und an Balkone bei L′n,w = 58 dB.

  • Treppen in Mehrfamilienhäusern um 1 dB entschärft
  • Laubengänge in Mehrfamilienhäusern um 2 dB entschärft

Neu hinzu gekommen sind die erhöhten Anforderungen an Balkone; diese entsprechen in ihrer Höhe jedoch den Mindestanforderungen nach DIN 4109-1:2018-01. Nach dem Grundsatz des wahrnehmbar höheren Schallschutzes wäre es nicht zulässig, die Mindestanforderungen als erhöhte Anforderungen aufzunehmen. Jedoch sind die Mindestanforderungen nicht in jedem Bundesland bauaufsichtlich eingeführt. In diesen Fällen wären die erhöhten Anforderungen immerhin Anforderungen an Balkone. Die in der DIN SPEC 91314 vorgeschlagenen 49 dB wurden in der DIN 4109-5 nicht aufgegriffen.

  • Balkone in Mehrfamilienhäusern haben erhöhte Anforderungen nach DIN 4109-5

Die erhöhten Anforderungen sind privatrechtlich mit dem Bauherrn zu vereinbaren. Es wird empfohlen diese in einer werkvertraglichen Vereinbarung festzuhalten. Außerdem können Planer und Bauherren für Bauteile auch eigene erhöhte Anforderungen festlegen. Dabei wird empfohlen diese dann mindestens an den erhöhten Anforderungen zu orientieren. Beispielsweise die DIN 4109-5 zu vereinbaren und für Treppen und Laubengänge in Mehrfamilienhäusern die Werte aus dem Beiblatt 2 zu vereinbaren, da diese geringer bzw. strenger sind.

In der Praxis bleibt die Frage, welche Anforderungswerte sich langfristig etablieren werden. Auf Grund der Entwicklungen und der zunehmenden Sensibilität im Schallschutz ist eher von einer Verschärfung der Anforderungen auszugehen. Insgesamt darf sich die Frage gestellt werden, warum etablierte erhöhte Anforderungen nach 30 Jahren entschärft wurden, wenn die Bautechnik sich weiterentwickelt hat. Es bleibt zu beobachten, welche erhöhten Anforderungen sich langfristig durchsetzen.

 

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