Julia Kobinger

Selbstverteidigungskurs für Frauen

200.000 Gewaltdelikte pro Jahr gab es 2016 in Deutschland. Von gefährlicher Körperverletzung über Raub, sexuelle Übergriffe bis hin zu Mord. Tatorte sind das Büro, das Parkhaus, der Park, die Seitengasse, der Club oder die eigene Wohnung. Das hört sich für Sie nach einem Krimi an? Ist aber leider die Realität.

Viele Gründe also, als Frau zu lernen, sich schnell und effektiv zu verteidigen. Das dachte sich auch die Schöck BGM Gruppe „Bewegung“ (BGM steht für Betriebliches Gesundheitsmanagement) und organisierte einen Selbstverteidigungskurs für Frauen. Die Nachfrage war so groß, dass bereits nach 24 Stunden eine Warteliste angelegt wurde und der zweite Termin nun schon in der Planung ist.

Stefan Huber – Trainer und Leiter der Kampfsportschule Bühl – begann den Einstieg mit einem kurzen Theorieteil zur Gesetzeslage. Lieber jedoch widmet er sich der Praxis, wie er uns erzählte. Also ging es schnell zur Sache.

Bei einem Angriff ist sich wehren die bessere Strategie, als nichts zu tun. Aber wie verhält man sich in einer Angriffssituation oder besser, wie kann man einer solchen entgehen?

Dass in uns Frauen ungeahnte Kräfte schlummern und wir i. d. R. auch „Waffen“ mit uns führen – von denen wir gar nicht wussten, dass es welche sind – das haben wir innerhalb von drei Stunden an diesem Dienstagabend gelernt. Unsere Waffen können Handtasche, Jacke oder natürlich auch das Pfefferspray sein. Bei der Benutzung eines Reizgases ist allerdings der sichere Umgang eine wichtige Voraussetzung.

Selbstverteidigung beginnt aber schon mit Aufmerksamkeit, geht über Haltung und Selbstbehauptung bis hin zur direkten, effektiven Gegenmaßnahme.

Als erstes lag der Fokus auf der Körpersprache. Selbstbewusst auftreten und seinen eigenen räumlichen Abstand zu einer fremden Person zu bewahren, steht an erster Stelle.

Auf das Bauchgefühl vertrauen, Gefahren frühzeitig erkennen oder Hilfe einfordern und dafür Leute direkt ansprechen in einer Notsituation – auch diese Dinge muss man trainieren. Mit der eigenen Körpersprache und Stimme Grenzen zu ziehen und sich in einer Notlage effektiv zu verteidigen – auch gegen körperlich viel stärkere Angreifer. Dabei spielt die Körpergröße keine Rolle. Denn Entschlossenheit ist wichtiger als bloße Muskelkraft.

Lässt sich ein Übergriff dennoch nicht verhindern, wissen wir nun wie Hebel-, Schlag- und Tritttechniken, ohne großen Kraftaufwand einzusetzen sind. Manch eine Kollegin war von sich selbst überrascht, welch Schlagkraft sie in einer solchen Situation entwickeln kann.

Es wurden Techniken gegen verschiedene Angriffe geübt, z.B. gegen Schlagen, Umklammerungen, Haltegriffe, Haare ziehen und Würgen. So durften wir mit voller Wucht auf unseren Gegner – in Gestalt unserer Arbeitskollegin – schlagen und treten. Damit es keine Verletzten gab, brachte Stefan Huber seine Trainingsgeräte mit, wie z. B. Pratzen und Schlagpolster. Das Training war sehr anstrengend, aber eine gute Übung. Denn im Ernstfall gibt es keinen zweiten Versuch.

Zum Schluss händigte Stefan Huber noch eine Checkliste der „10 wichtigsten Regeln zur Vorbeugung gegen Überfälle“ und zum Thema „Sicherheit und Zivilcourage“ aus. Diese einfachen, fast schon banalen Regeln sollte Frau sich immer wieder ins Gedächtnis rufen. Sie geben im Alltag gleich ein viel sicheres Gefühl und tragen dazu bei, gar nicht erst in solch eine Situation zu geraten.

Und falls doch: Den harten Schlag haben wir jetzt drauf 😉


  Weiterempfehlen Mail Facebook
Kommentar verfassen