Fliegendes Baumaterial und wandernde Fotografen

In meinem beruflichen Alltag als Fotograf gilt das Motto: Ein Bild sagt mehr als 1.000 Worte. Dass der Fotograf Worte aufs Papier bannt und eine Geschichte erzählt, hat eher Seltenheitswert. Ich muss zugeben, den Auftrag für ein Shooting in der Höllentalangerhütte habe ich ohne zu zögern angenommen. Vor dem Ausflug in die Blogosphäre habe ich wesentlich mehr Respekt. Wir sehen am Ende, ob ich künftig wieder besser bei der nonverbalen Kommunikation per Bild bleibe 🙂

Der Arbeitstitel der Mission lautete „Thermoanker Zugspitze“. Als mir die Randbedingungen geschildert wurden, war mir sofort klar: Das ist ein Auftrag, der vom Alltäglichen abweicht. Die Höllentalangerhütte befindet sich in 1.387 Meter Höhe auf der Zugspitze. Sie wurde erst kürzlich abgerissen und neu und größer wieder aufgebaut. Klingt außergewöhnlich. Besonders wenn man erfährt, dass es zur Hütte keinen direkten Anfahrtsweg gibt. Die Wanderhütte dient als Stützpunkt für die Ersteigung der Zugspitze, erreichen kann man sie nur mit Muskelkraft. Für einen passionierten Bergmenschen wie mich, ist eine Wanderung allerdings alles andere als eine Strafarbeit 🙂

Baustelle der neuen Höllentalangerhütte mitten in den Bergen. Tolle Lichtverhältnisse, tolle Location.

Baustelle der neuen Höllentalangerhütte mitten in den Bergen. Tolle Lichtverhältnisse, tolle Location.

Als der Tag dann gekommen war, lud ich Foto- und Wanderequipment ins Auto und machte mich auf nach Garmisch. Da Wanderschuhe in den Bergen nur die halbe Miete sind, kundschaftete ich abends nach der Ankunft noch schnell aus, wo ein Bäcker zu finden war. Proviant ist wichtig! Die Nacht war relativ kurz, schon um 5:00 Uhr in der Früh lernte ich den Bäcker persönlich kennen. Nach einem kurzen Frühstück und wenigen Minuten Fahrt zum Wanderparkplatz packte ich die Fotoausrüstung in den Rucksack und los ging´s.

Nach zweieinhalb Stunden Aufstieg war ich auf der Baustelle mitten in den Bergen. Ich war schon auf einigen Baustellen unterwegs, aber eine mit so beeindruckender Logistik habe ich noch nie gesehen.

Beeindruckende Logistik: Die Baumaterialien werden per Transporthelikopter eingeflogen

Beeindruckende Logistik: Die Baumaterialien werden per Transporthelikopter eingeflogen

Wo andernorts ein reger Lkw-Verkehr herrscht, rattern hier die Helikopter. Alles, aber auch wirklich alles, wird buchstäblich eingeflogen. Auch die vorgefertigten Wände der Hütte, in denen der Schöck Thermoanker seinen Job macht. Ich muss an dieser Stelle eine Lanze für die Bauarbeiter und vor allem für den Polier, Herrn Sven Ludewig, vor Ort brechen. Auch wenn ich ihnen mit meinem Fotografieren der Bauarbeiten sicherlich ständig im Weg stand und sie alle Hände voll zu tun hatten, haben sie super mitgemacht.

Eine spitzen Truppe auf der Zugspitze: Alle Hände voll zu tun und trotzdem ein offenes Ohr für die Fotosession

Eine spitzen Truppe auf der Zugspitze: Alle Hände voll zu tun und trotzdem ein offenes Ohr für die Fotosession

Was soll ich noch sagen? Das tolle Morgenlicht ließ mein Fotografenherz vor Freude tanzen. Bildlich gesprochen. „Bildlich“, gutes Stichwort. Damit ich auf der Rückreise ein passables Bild abgebe, habe ich nach dem Abstieg noch einen kleinen Zwischenstopp in einem Bach gemacht. Der eiskalte Gebirgsbach war ein würdiger Abschluss für diesen coolen Auftrag. Ich bin schon gespannt, wo mich meine nächste Schöck-Mission hinführt. 🙂


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1 Kommentar zu "Fliegendes Baumaterial und wandernde Fotografen"
jens Neumann schreibt am 7. Januar 2015 um 20:42

Hallo Michael,
…top cooler Beitrag…..
…der nächste Auftrag …natürlich im flachen Colonia…ohne Wanderschuhe
Gruss Jens

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