Cornelia Kaltenbach

Lasst uns streiten: Konfliktmanagement-Seminar mit Praxistest

Das Thema „Weiterbildung“ ist beim jährlichen MEOG (Mitarbeiter Entwicklungs- und Orientierungsgespräch) ein wichtiger Part. Schließlich ist das lebenslange Lernen wichtig für die persönliche und fachliche Entwicklung. Obwohl ich eigentlich weder streitlustig noch konfliktscheu bin, stand der Besuch eines Konfliktmanagementseminars im Raum. Warum eigentlich nicht, dachte ich mir. Meine Kollegin, die mir im Büro gegenüber sitzt, war ebenfalls als Seminarteilnehmerin angemeldet, was uns und alle anderen aus der Abteilung belustigte: „Braucht ihr einen Ringrichter?“ Oh, wer hätte ahnen können, dass wir uns tatsächlich in den Haaren liegen würden?

喧嘩する子供と仲直りする子供

Ich habe schon Seminare erlebt, bei denen man den Referent nach den ersten fünf Minuten gefressen hat. Phrasendrescher, Schaumschläger und Selbstdarsteller gibt es eben in jeder Branche. Es war sehr erfrischend zu sehen, dass es auch anders geht. Herr Steinborn von CCC hat eine lockere Atmosphäre geschaffen, in der theoretische Teile und Praxiseinheiten locker ineinander übergingen und man einfach gerne zugehört hat. Schnell habe ich erleichtert festgestellt, dass es beim Seminar nicht darum ging, aus einem Mäuschen eine Wildkatze oder aus einem Choleriker einen Yogalehrer zu machen. Was mir sehr gut in Erinnerung bleiben wird, ist die Lektion, dass eine gemeinsam erlebte Situation auf jeden Menschen anders wirkt und dass jedes Ereignis auf unterschiedliche Landkarten trifft. Scheinbar banale Dinge, z. B. Fragen offen stellen oder Aussagen ohne „Widerhaken“ zu treffen, war im Praxistest trotz größtem Willen zur Diplomatie für alle Beteiligten schwierig. Tja, Kommunikation und Konfliktlösung sind haarige Angelegenheiten. Wie gut, dass im Seminar nicht nur ein Bewusstsein für die Stolpersteine im täglichen Miteinander geweckt, sondern auch Tipps zur Lösung gegeben wurden, z. B. die Stoppschildtechnik.

Die Rollenspiele waren schließlich das Salz in der Suppe und eine Möglichkeit, das theoretische Wissen anzuwenden. Unverhofft landeten meine Kollegin und ich in verfeindeten Lagern, die Rollenbeschreibung verlangte die Austragung eines Disputs. Noch während des Verbalgemetzels, wir schenkten uns nämlich nichts, musste ich feststellen: Konflikte sind harte Arbeit, Puls und Blutdruck stiegen und wir machten es unserem Mediator (Person Nummer drei unserer fiktiven Streitsituation) nicht leicht, die Wogen zu glätten. Wir haben unsere Rollen gut ausgefüllt. Kollegen, die dem Auftritt im Seminar beigewohnt hatten, beobachteten uns noch Tage später in der Kantine mit Argusaugen. Als ob wir jeden Moment der anderen den Suppenteller über den Kopf stülpen würden. Das Seminar hat also nicht nur einiges an Wissenszuwachs über Konflikte, deren Ursache und Lösung mit sich gebracht, sondern auch die Erkenntnis, dass hinter manchem Konflikt lediglich eine unterschiedliche Wahrnehmung der Situation steckt. Wo die Kollegen fliegende Teller vermuteten, berieten wir beide nämlich schon längst, welchen Schokoriegel wir uns zum Nachtisch teilen würden.


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2 Kommentare zu "Lasst uns streiten: Konfliktmanagement-Seminar mit Praxistest"
John schreibt am 18. August 2014 um 15:23

Konfliktmanagment ist eine spannende Sache. Ich fahre auch gerne aus der Haut und hab dann mal ein Seminar besucht wo es darum ging vom Choleriker zum Yogalehrer zu werden 🙂

Cornelia Kaltenbach schreibt am 18. August 2014 um 15:42

In Ihrer Branche haben Sie sicher öfters mit Menschen zu tun, die Strategien zur Blutdrucksenkung suchen. Den Erfolg eines Choleriker-zum-Yogalehrer-Seminars ließe sich sicher mit einem Blutdruckmessgerät belegen 🙂

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