Cornelia Kaltenbach

Wehe, wenn sie losgelassen

Es gibt Dinge, denen stellt man sich besser nicht in den Weg: Dem Fortschritt (Resümee der „Ewig Gestrigen“), einem fliehenden Pferd (Lektüre-Wissen: Martin Walser), einer wütenden Frau (Allgemeinbildung) – und einem Abrissbagger (Eigenerfahrung). Was man mit nur einem Abrissbagger innerhalb kürzester Zeit bewerkstelligen bzw. bewegen kann, das haben wir live erlebt.

Gebäude B vor dem Abriss

Gebäude B vor dem Abriss

Derselbe Platz - 969 Tonnen Bauschutt und 41 Lkw-Fuhren später

Derselbe Platz – 969 Tonnen Bauschutt und 41 Lkw-Fuhren später

Das erste Foto belegt: Gebäude B auf unserem Firmengelände in Baden-Baden ist wahrlich kein Kartenhäuschen gewesen und gewiss nicht klein. Im Rahmen der Standortentwicklung fiel es nun dem Abrissbagger zum Opfer, in ein paar Monaten steht an dieser Stelle eine Produktionshalle. Als würdiger Abschied hat die Feuerwehr kurz vor dem Abriss eine Übung durchgeführt. Dann war es soweit: Der Bagger rollte an.

Wie lange ein Abriss dauert? Ich gebe zu, ich hatte keine Vorstellung. Ein Zeitraum von drei Wochen geisterte durch die Flure. Die Idee, den Abriss aufzuzeichnen, war schnell geboren und mir schwebte eine Zeitrafferaufnahme vor, die aus vielen Momentaufnahmen besteht – und zwar aus der Vogelperspektive. Vom Dach des Nachbargebäudes aus. Unbefugte haben dort aber so rein gar nichts verloren, die Idee war kurz vor dem Sterben. Gott sei Dank konnte ich Lothar Busch für das Projekt gewinnen. Er hat mich von Montag bis Freitag jeden Tag aufs Dach eskortiert, damit ich Fotos schießen konnte. Lothar, vielen Dank nochmal, Du bist spitze 🙂

Abriss im Zeitraffer

Abriss im Zeitraffer

Das fleißige Team der Abrissfirma hat meine Idee dann doch noch beinahe sabotiert. Waaaahnsinn, wie schnell die vier Männer der Hertrich GmbH gearbeitet haben. Pro Tag verschwanden riesige Gebäudeteile, so dass die Sprünge im Zeitrafferfilm deutlich sichtbar sind. Nach einer Woche war das Gebäude weg, die restliche Zeit wurde für den Keller und sonstige Aufräumarbeiten benötigt.

Hier eine Statistik, die sich sehen lassen kann:

In 10 Arbeitstagen wurde eine Gesamtabfallmenge von 969 Tonnen bewegt.

  • 412 Tonnen Bauschutt
  • 348 Tonnen Beton
  • 156 Tonnen Asphalt
  • 6,7 Tonnen Mineral- und Glaswolle
  • 21,3 Tonnen Holz
  • 7,5 Tonnen Schrott
  • 17,5 Tonnen Mischabfall

41 Fuhren waren notwendig, um 2.500 m³ umbauten Raum dem Erdboden gleich zu machen. Für diese Blitzleistung waren ein Baggerfahrer und drei Bauhelfer notwendig. Um die befüllten Lkw-Abfallcontainer abzutransportieren, waren fünf Sattelzüge und zwei 4-Achskipper im Einsatz.

Nicht nur ich war als Dokumentar unterwegs. Francois Schenck war etwas mutiger als ich, von ihm stammen die tollen Nahaufnahmen. Hier eine kleine Auswahl:

07 Abriss Gebäude B

17 Abriss Gebäude B

23 Abriss Gebäude B

35 Abriss Gebäude B

39 Abriss Gebäude B

60 Abriss Gebäude B

83 Abriss Gebäude B

87 Abriss Gebäude B

Mein Fazit: Bauen kann nicht jeder – aber abreißen gewiss auch nicht. Die Kunst am Bau endet nicht mit der Einweihung des Gebäudes, sondern beim sauberen Abriss.


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2 Kommentare zu "Wehe, wenn sie losgelassen"
Sabrina Friedmann schreibt am 25. Juli 2014 um 13:48

Wirklich interessanter Beitrag, Cornelia! Die Bilder und der Zeitraffer sind echt beeindruckend. 🙂 Mich persönlich hat am meisten überrascht, wie klein einem im Nachhinein die Grundfläche wo das Haus mal stand nun vorkommt..

PS: Danke für euren heldenhaften Mut – täglich auf die Dächer zu steigen um diese Aufnahmen zu gewinnen.. Von der Feuerwehr-Übungsleiterin zur Abriss-Expertin, das nenne ich Abwechslung.. 😉

Grüße Sabrina

Oliver schreibt am 8. Oktober 2014 um 09:53

Ohhh jaaa… Abrissbagger sind echte Höllenmaschinen. Die machen innerhalb kürzester Zeit alles kurz und klein und dann bleiben nur noch tonnenweise Schutt und Asche. Schon oft genug gesehen 🙂

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