Stephan Wissel

Der Lauf zwischen den Meeren… Schöck Team mit neuer Bestzeit?

Die T-Shirts des Laufs 2012 (er wurde in 08 h 13 min absolviert) waren noch nicht getrocknet, da wurde der Entschluss gefasst, wir kommen wieder, und dann laufen wir unter 8 h. Als Strategie wurde ausgegeben, alle 2 Jahre am Lauf teilzunehmen, um die Belastung nicht zu groß werden zu lassen (oder aber um genügend Trainingszeit zu haben, was nach der alten Zeit wohl auch notwendig war).

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Somit war es jetzt 2014 wieder so weit. Die Planungen liefen schon Wochen vorher auf Hochtouren und Sabine Funk, die in diesem Jahr die Staffel verstärken würde (wobei man hier auch von einer wirklich echten Verstärkung reden konnte), hatte die Planung und Organisation übernommen. Ein Team wurde auf die Beine gestellt und das Ziel allen Teilnehmern (Winfried John, Sabine Funk, Matthias Hippler, Michael Schmitz, Christoph Meul, Martin Trost, Lars Dörfler, Thomas Lange, Stephan Wissel und Tim Stollberg) noch einmal deutlich gemacht. Dieses Team also sollte die neue Bestzeit aufstellen. Schon die Vorbereitungszeit war mit vielen Hiobsbotschaften versehen. Hier ein Ziehen in der Wade, da eine Reizung der Achillessehne, oder ein Sturz von einer Leiter, Rückenprobleme bei älteren Herren usw.. Es war nicht gerade vielversprechend, was sich hier andeutete. So rückte der Tag immer näher und der Druck auf Betreuer und Mannschaft wuchs immer mehr. Alle Teilnehmer versuchten, sich Mut zu machen und spornten sich gegenseitig für ihr Training an. Doch dann in der letzten Woche vor dem Lauf, der nächste Rückschlag. Thomas Lange würde definitiv ausfallen. Das war ein großer Verlust, da Thomas ein großes Kämpferherz besitzt und er immer was reißen kann. Also musste, wie schon beim letzten Mal, der Sohn von Tim, Nick, unsere Staffel verstärken.

So machten sich alle Teilnehmer am Freitag, 23. Mai 2014, auf den langen Weg Richtung Norden. Die Anreise lief für alle Teilnehmer sehr unterschiedlich und dauerte entsprechend der Verkehrsverhältnisse mal kürzer und auch mal länger. Zum Glück sind dann alle am Freitag wohl behalten in Rendsburg, der wunderschönen Heimatstadt von Tim und seiner Familie, eingetroffen.

Am Abend fand dann mit den bereits angereisten Teammitgliedern eine von Kirsten Stollberg geführte Stadt-Fahrrad-Besichtigung statt. Schon hier zeigte sich, dass Kirsten nicht nur eine wunderbare Gastgeberin (die Abendveranstaltungen waren beide bei Tim zu Hause), Köchin (Thomas, hier hast Du echt was versäumt), sondern auch Stadtführerin (Sie arbeitet auf dem Bauamt der Stadt Rendsburg) ist. Sie zeigte uns in aller Kürze die schönsten Plätze der Stadt und erklärte in bunten Geschichten und Bildern die Entwicklung dieser Perle des Nordens. Beim anschließenden Pasta-Mahl wurden dann die Details des kommenden Tages besprochen. Die Reihenfolge des Starterfeldes wurde ein letztes Mal korrigiert und der Ablauf des Tages haargenau geplant. Alles sollte reibungslos funktionieren, denn unser Ziel wollten wir auf jeden Fall erreichen. Bei der Festlegung der unterschiedlichen Laufzeiten, die ja für die Staffelübergabe extrem wichtig sind, erlebten wir grenzenlose Selbstüberschätzung „4:45 min/km sind kein Problem, ist machbar“, Understatement „ich schaffe es höchstens in 05:15, oder unter 06:00 min/km“. Der nächste Tag sollte die Wahrheit ans Licht bringen.

Nachdem wir dann alle gegessen und literweise alkoholfreies Weizen (so etwas gibt es sonst bei Schöck Veranstaltungen überhaupt nicht) verköstigt hatten, gingen wir bei Zeiten ins Bett. Wir wollten ja schließlich am nächsten Tag eine Spitzenleistung abliefern. Der Morgen begann mit dem, was wir uns alle gewünscht hatten, mit idealem Wetter. Das erste Auto machte sich auf den Weg und alle anderen Läufer vertrieben sich den Morgen mit Frühstücken (selten sah ich so viele Menschen, die Müsli und Obst zum Frühstück aßen) oder auch nur Ausruhen und Gammeln. Die ersten Wasserstands-Meldungen waren sehr vielversprechend.

Winni, so wie wir ihn kennen, und auch Sabine, hatten nach 2 Läufern schon fast den Rückstand für unsere Traumzeit aufgeholt (ich sah mich schon locker joggend die vorletzte Etappe gemütlich austrabend absolvieren). Doch dann kamen die ersten Probleme. Lars, der schon gehandikapt ins Rennen ging, hatte Probleme auf der Strecke und der gewonnene Vorsprung rann mit ihm und auch nachfolgenden Läufern dahin.

Michael Schmitz

Michael Schmitz

Nick

Nick

Als ich dann als Vorletzter an der Reihe war, hieß es nur, wir müssen wieder 3 Minuten herausholen (dieser kleine Motivationsschub sollte mir Beine machen). Ich dachte, ist ja kein Problem, du bist ja gut vorbereitet. Die ersten drei Kilometer gestalteten sich sehr ordentlich und mit Zeiten deutlich unter 5 min sah ich wieder Licht am Ende des Tunnels. Ich hatte mich im Vorfeld mit Thomas Lange unterhalten, er war diese Strecke 2012 gelaufen, und er berichtete mir von endlosen Steigungen (ja klar, an der Nordsee….) und einer eher schwierigen Strecke. Das Wetter war für die Läufer am Morgen echt optimal und bei mir machte sich immer mehr Sonnenschein breit, über den ich mich auch anfänglich noch freute, es lief (Wortspiel) ja echt gut…. Leider kam mit zunehmender Dauer meines Laufes immer mehr Ernüchterung in mein Bewusstsein. Die Lauf-Uhr (ich hatte sie extra von Matthias Hippler ausgeliehen) zeigte mir unerbärmlich das, was ich am eigenen Körper spürte und was mir Thomas im Vorfeld schon berichtet hatte, die Strecke war schwierig (jetzt jammert der schon wieder, denken bestimmt meine Mitstreiter). Es ging, so wie Thomas berichtet hatte, nur noch bergauf (was für ein Wahnsinn für eine Strecke im wohl flachsten Bundesland der Republik). Die Sonne hatte kein Erbarmen mit mir und die minimalen Schatten-Phasen konnten mich auch nicht wirklich erfreuen. Alle anfängliche Euphorie über meinen Lauf, die Sonnenstrahlen, die Läuferinnen, die vor mir gestartet waren und die es einzuholen es echt wert gewesen wären, war verflogen. So manchen Läufer musste ich ziehen lassen. Unterwegs standen dann immer wieder Schöckianer an der Strecke und versuchten mein sehr müde wirkendes Laufen mit Anfeuerungsrufen zu beschleunigen, was wohl nach Aussage von Michael, Martin, Lars und Tim so gut wie nicht gelang. Ich zitiere: „Das wird nichts, das sieht so langsam aus…. Unser Ziel müssen wir dann beim nächsten Mal erreichen.“ Als dann nach schier endlosen 10,5 km (Berglaufes) mein Ziel erreicht war, freute ich mich so sehr, Tim (er war der Schlussläufer) zu sehen, wie ich mich wohl kaum vorher über das Treffen eines „männlichen“ Schöck-Kollegen freute. Erschöpft schleppte ich mich zur Versorgungsstation und trank Wasser in Massen (wie gut so ein Wasser doch immer wieder schmecken kann…)

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Tim Stollberg

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Tim Stollberg und Michael Schmitz

Leider ließ mir aber der Zeitplan nicht all zu lange Zeit, mich zu regenerieren. Winni drängte, wir müssen los, der Zieleinlauf wartet noch auf uns.

So fuhren wir nach Damp. Welch‘ Horror. Die Parkplätze in der Nähe des Strandes waren alle belegt und wir mussten ganz weit außerhalb einen Parkplatz suchen. Jetzt wurde es knapp. Wenn wir gemeinsam mit dem Team ins Ziel laufen wollten, dann brauchten wir schnellstmöglich einen Parkplatz. Allen anderen Teilnehmer ging es ähnlich. Es wurde wie ein Spießrutenlaufen. Dann eine Idee, Wende, alles zurück und ein Parkplatz war gefunden. Jetzt schnell ab Richtung Zieleinlauf. So lief ich mit Winni zum Strand. Die Strecke wurde immer länger und der gemeinsame Zieleinlauf immer unwahrscheinlicher. Als ich dann noch eine Läuferin sah, die deutlich nach Tim gestartet war, schien klar, dass wir es nicht mehr rechtzeitig schaffen würden. So also der Griff zum Handy und die bange Frage an Tim „Wo seid Ihr? Und noch wichtiger, welche Zeit haben wir geschafft?“ Sie warteten im Zielraum auf uns und nun die Sensation: Wir waren mit 07:56:25 h im Ziel!

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Kurz vorm Ziel…

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Ziel erreicht!

Ob jetzt Tim das Rennen seines Lebens gelaufen ist, oder eben doch alles nicht so schlecht war wie befürchtet, ich wusste es nicht. Entscheidend war, wir haben unser Ziel erreicht und wir lagen uns freudestrahlend in den Armen.

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Nun ab ins Zelt und ran ans Bier (diesmal natürlich nicht mehr alkoholfrei). Wir genossen noch eine Weile den Sonne getränkten Strand und erholten uns von den Strapazen.

Dann die Order, ab ins Hotel, duschen und dann zu Tim nach Hause und grillen. Als wir dann alle mit dem Großraumtaxi bei Tim eintrafen, roch es schon nach Grillkohle (ich schreibe Kohle, da ja noch nichts auf dem Grill lag). Kirsten muss die ganze Nacht durchgearbeitet haben. Die Wohnung war bestens für uns gerichtet und vor allem hatte sie ein Essen gezaubert, das einfach unwiderstehlich war (Tim, ich wundere mich, wie Du Deine Figur halten kannst). So aßen und tranken wir alle, sicher auch über unsere Verhältnisse, bis in den späten Abend und waren rundum zufrieden mit einem Wochenende, das einfach unglaublich schön war.

Als dann nach dem xten Bier auch die Zunge lockerer wurde, lüftete sich auch das Geheimnis der Fabelzeiten der beiden letzten Läufer. Nick (der vor mir gelaufen ist und mit 14 Jahren und höchstens 50 Kilo) doch deutlich im Vorteil gegenüber der alternden Laufgruppe, hat einen Vorsprung heraus gelaufen. Dieser musste nur verteidigt werden, was Tim und mir dann wohl auch erfolgreich gelungen ist. Somit erreichten wir einen für uns Freizeitsportler hervorragenden 143. Platz in der Gesamtwertung und einen spitze 61. Platz in der Firmenwertung. Es waren schließlich über 700 Staffeln am Start. Das Team war sensationell, eben der Schöck Familie würdig, die Gastfreundschaft so herzlich und einladend (Kirsten, Tim, Nick und Till vielen, vielen, herzlichen Dank für all die Mühe, die wir Euch bereitet haben) und das Ergebnis nach unseren Wünschen. Wir kommen wieder, im Jahr 2016. Mit welchem Ziel? Das ist mir noch nicht ganz klar…


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6 Kommentare zu "Der Lauf zwischen den Meeren… Schöck Team mit neuer Bestzeit?"
Martin Trost schreibt am 27. Mai 2014 um 11:51

Stefan, ein sensationeller Erlebnisbericht, der alles genau auf den Punkt bringt. Dein Wissen über die Geographie in Schleswig Holstein konntest du ja beim Lauf sehr gut studieren. Dein Teil der Laufstrecke hat aber nichts mit der Nordsee zu tun. Unser Startpunkt war in Husum an der Nordsee und du hattest als vorletzter Läufer eher Kontakt zur Ostsee, wo wir ja am Ende ja auch angekommen sind. 😉
Dass es in Nordseenähe eher flach zu geht ist aber schon richtig.

Alexander Hettler schreibt am 27. Mai 2014 um 11:52

Herzlichen Glückwunsch an euch alle!
Jetzt liegt die Messlatte hoch für den Hornisgrinde-Lauf im Juli.

Marianne Ibach schreibt am 27. Mai 2014 um 12:41

Glückwunsch an Euch ….. suuuuper 😉

Moni Wörner schreibt am 27. Mai 2014 um 13:28

Danke für die witzige und lebendige Berichterstattung! Ich hatte beim Lesen das Gefühl selbst dabei gewesen zu sein …

Dein Ziel für 2016 könnte sein, dass Du die Läuferinnen vor Dir einholst 😉

Christoph Meul schreibt am 27. Mai 2014 um 18:02

Stephan – Hut ab; sehr guter Bericht, ich fang schon wieder an zu schwitzen…
Das Ziel ist aus meiner Sicht klar: 7:44:59….

Kirsten Stollberg schreibt am 29. Mai 2014 um 10:29

hallo Stephan – toller Bericht, auch ich finde unsere Heimat immer wieder schön und werbe gerne für das schönste Bundesland der Welt.
Liebes Läuferteam – ihr seid sehr dankbare und pflegeleichte Gäste und ich freue mich schon auch das Catering 2016, dann mal mit Fisch. Till hat schon den Angelauftrag.

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