Cornelia Kaltenbach

Kinderlachen statt Weihnachtskarten

Wenn Sie auffallen wollen, dann kaufen Sie 28 Schokoladen-Nikoläuse. Alle auf einmal, versteht sich. Die Kassiererin guckt garantiert kurz irritiert, der kleine Junge an der Kasse nebenan sehr sehnsuchtsvoll und seine Mutter genervt, weil er jetzt natürlich auch einen haben will. Ich konnte ihm leider keinen Nikolaus abgeben, die Mission der in buntes Stanniol verpackten Weihnachtsarmee war klar definiert.

Eine Woche später rückte ich mit den Nikoläusen auf der Rückbank in Richtung Rastatt aus. Am Abend zuvor hatte ich „Die drei Musketiere“ gesehen. Kennen Sie deren Leitspruch? „Einer für alle, alle für einen.“ Die Nikoläuse sahen aus, als ob das auch ihr Motto wäre. Es passte nämlich zu unserem Vorhaben.

Sobald ich Ihnen verrate, was neben der Schokolade noch auf der Rückbank lag, werden Sie erraten, was ich vorhatte. Schließlich ist die Bandbreite an Unternehmungen, die man mit einem Spendenscheck-Plakat und Schoko-Nikoläusen planen kann, ziemlich begrenzt. Es liegt auf der Hand: Wir waren unterwegs zu einer Spendenübergabe.

Im Schulkindergarten für körper- und mehrfachbehinderte Kinder der Reha-Südwest wurden wir schon erwartet. Statt Weihnachtskarten zu versenden, spendet Schöck seit einigen Jahren an gemeinnützige Einrichtungen der Region. Ich denke, jeder kann sich die Freude im Schulkindergarten über die unerwarteten 10.000 Euro vorstellen.

Nach der offiziellen Scheckübergabe durch Herrn Wild, unseren Vorstandsvorsitzenden, an Herrn Fier, den Betriebsleiter des Schulkindergartens, bekamen wir noch eine kleine Führung. Auf unserem Rundgang haben wir natürlich viele Kinder kennengelernt. Ein Junge ist mir besonders gut in Erinnerung geblieben. Er liebt, wie eigentlich fast alle kleinen Jungs, sein rotes Feuerwehrauto mit Fernsteuerung. Doch wenn er das Feuerwehrauto durch den Raum fahren lässt, hat er dabei keinen Joystick in der Hand. Den kann er nicht festhalten. Der Junge kommuniziert und steuert seine Umwelt mit Hilfe eines Bildschirmes, der seine Augenbewegungen auswertet. Ohne dieses Kommunikationsmittel wäre er gefangen in seinem eigenen Körper. Seine Brücke zur Verständigung mit seiner Umwelt nennt sich „Unterstützte Kommunikation“. Unter diesen Begriff fallen Materialien, die Kindern, die nicht oder nur unzureichend die Lautsprache erlernen können, beim Kommunizieren helfen. Solche Hilfsmittel sind sehr teuer und müssen zu einem Großteil aus eigenen Mitteln finanziert werden. Gerade aus diesem Grund sind Sponsoren wie Schöck so ungeheuer wichtig.

Meine Stimmung auf der Rückfahrt ins Büro ist schwer zu beschreiben. Zum einen war dies kein alltäglicher Besuch und schon aus diesem Grund sehr bewegend. Aber am meisten hat mich Herr Fier und die Arbeit seines Teams beeindruckt. Die Atmosphäre war so herzlich und man hat gespürt, mit wie viel Liebe sich das Team um seine Schützlinge kümmert.

Herr Fier kümmert sich nicht nur um die individuelle Förderung der Bewegungsfähigkeit, der Funktionsschulung, der Selbständigkeit und um die Entwicklung des Sprachvermögens – Ausflüge mit den öffentlichen Verkehrsmitteln oder Restaurantbesuche gehören ebenso zum Programm. Aber in diesen Fällen sind es weniger die Kinder, die etwas lernen müssen. Menschen mit Behinderung bewusst wahrzunehmen und sich ihnen zu öffnen, das sollte jedem in Fleisch und Blut übergehen. Einer für alle, alle für einen – es ist wirklich etwas Wahres dran.

Herr Fier hat uns eingeladen, bald wieder vorbei zu schauen. Wir haben die Einladung gerne angenommen. Ich bin schon sehr gespannt darauf, welche Materialien mit dem Schöck-Spendengeld gekauft werden und welche tollen Fortschritte damit erzielt werden können.

Und noch etwas habe ich versprochen: Allen Schöck-Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern viele Grüße von Herrn Fier, dem Team und den Kindern auszurichten. Wollen Sie auch mal im Schulkindergarten vorbeischauen? Dann tun Sie das unbedingt – Sie sind herzlich eingeladen.

Ach ja, ich sollte noch berichten, wie das mit den Nikoläusen ausging. Na wie wohl? Ein großes Hallo und leuchtende Kinderaugen. Die Nikolaus-Schar hat die Kinderherzen im Sturm erobert. Und nicht, dass Sie jetzt auf dumme Gedanken kommen, in diesem Fall wurde das Motto „einer für alle“ natürlich außer Kraft gesetzt – jedes Kind hat einen eigenen Nikolaus bekommen.


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