Kulturpreis Deutsche Sprache 2012

Eberhard Schöck gratuliert der Maus. Eine Institution ist sie inzwischen, und deshalb bekam sie auch am letzen Samstag den Institutionenpreis Deutsche Sprache. Besser gesagt, ihre Erfinder, noch genauer, die Redaktion, die die Sendung und insbesondere die Sachgeschichten macht. Um die geht es nämlich in erster Linie. Die Sachgeschichten sind beispielhaft dafür geworden, wie man etwas anschaulich und in verständlicher und guter Sprache erklärt.

Die Maus und Eberhard Schöck

Armin Maiwald, der die Sachgeschichten erfunden hat, hat den Preis stellvertretend für die ganze Redaktion entgegengenommen. Die Maus war sicherlich der populärste Preisträger dieses Abends.

Aber auch die anderen haben es in sich:

Peter Härtling, einer der ganz Großen der neueren deutschen Literatur (damit ist die Literatur nach 1945 gemeint) erhielt den Jacob-Grimm-Preis Deutsche Sprache. Schulkamerad von Eberhard Schöck zu Nürtinger Zeiten und literarisch aktiv bis in die Gegenwart, ist seine Stimme aus der deutschen Kinder-, Jugend- und Erwachsenenliteratur nicht wegzudenken. Fast jeder von uns ist in seiner Schulzeit einer Lektüre von Härtling begegnet, besonders beliebt ist „Ben liebt Anna“ in der Grundschule. Seine Lyrik ist ergreifend intensiv, seine Romane sind von großer sprachlicher Kraft, Geschichte und Schicksale werden darin greifbar. Dabei pflege er, wie Laudator Tilman Spreckelsen von der FAZ bemerkte, stets das „entschiedene Vielleicht“, nie die vermeintliche Eindeutigkeit, stets benutze er die Feder, nie den Meißel. Wer Härtling noch nicht kennt, dem sei er empfohlen, vielleicht als Einstieg das dünne Bändchen mit der Novelle Božena, das Eberhard Schöck seinerzeit im Zusammenhang mit seinen Überlegungen zur Stiftungsgründung las und das ihn, wie er in seiner persönlichen Ansprache an Peter Härtling ausführte, darin bestärkte, nach Osteuropa ein Signal der Versöhnung und Freundschaft zu senden. Da bezweifle noch einer die Wirksamkeit von Literatur.

Peter Härtling und Eberhard Schöck

„Als habe man aus einem Harry-Potter-Band die Zauberformeln abgeschrieben“, so charakterisierte eine Patientin den Arztbrief, den sie nach einer Untersuchung in Händen hielt. Abhilfe schafft hier seit kurzer Zeit  „Was hab ich?“, ein Beratungsprojekt im Internet, in dem sich Hunderte von Medizinstudenten ehrenamtlich engagieren und Arztbriefe in verständliches Deutsch und nachvollziehbare Erklärungen übersetzen. Die Studierenden kommen kaum hinterher, die Anfragen zu bearbeiten, so groß ist die Nachfrage nach diesem Angebot. Sich den Menschen in einer Sprache zuzuwenden, die sie verstehen können, bedeutet empathisch zu sein und das Gefühl zu vermitteln, dass hier wirklich jemand helfen will. Gerade für kranke Menschen ist das eine ungemein wichtige Erfahrung. Dafür erhielt das Projekt, am Samstag vertreten durch Johannes Bittner, einen der Initiatoren, den Initiativpreis Deutsche Sprache.


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