Thomas Bechtold - Architekt, Gastautor

Mit Schöck in Moskau

Im Dezember 2011 erhielt ich einen Anruf von Martin Lamprecht von Schöck. Er fragte bei mir an ob er mit einer russischen Architekten/Bauträger -Delegation von mir geplante und bereits fertige Wohnhäuser besichtigen könnte. Es hätte sich eine russische Architekten/Bauträger-Delegation angekündigt die sich eine Woche lang in Deutschland über energieeffiziente Gebäude und Passivhäuser sowie renommierte Firmen der Baubranche (somit auch bei Schöck in Steinbach) informieren wollen. Er sagte, dass ich ja energieeffizientes Bauen mit Schöck Produkten – kombiniert mit moderner und funktionaler Architektur – in meinen Gebäuden sehr gut verbinden würde und dies genau die Architekten/Bauträger aus Russland interessieren würde. Nach so viel „Lob“ und kurzer Überlegung sagte ich ihm zu. Meine ehemaligen Bauherren waren ebenfalls mit der Besichtigung der Gebäude einverstanden, so dass dem Abenteuer „Architekten aus Russland in Bechtold-Häusern“ nichts mehr im Wege stand.

Als es dann so weit war, dass die ca. 20 russischen Architekten bei Schöck eintrafen war ich von Anfang an von der Gastfreundlichkeit, der guten Organisation, der sehr guten Vorträge und der Firmenführung bei Schöck beeindruckt.

Am Nachmittag standen dann meine zwei Hausbesichtigungen an. Ich war erstaunt vom großen Interesse und der vielen fundierten Fragen der Architekten hinsichtlich Haustechnik und Energieeffizienz meiner Gebäude.

Architekt Thomas Bechtold und Martin Lamprecht erläutern die Funktion und Technik der Gebäude, im Hintergrund das Fernseh-Team von RUSSIA 2

Mir wurde relativ schnell bewusst, dass sich die Architekten/Bauträger auch in Russland mit energieeffizientem Bauen und sogar mit der Passivhausbauweise beschäftigen. Dies war auch deshalb ein wenig überraschend für mich, da ich zu dieser Zeit gerade selbst eine Weiterbildungs-Maßnahme zum „Passivhaus-Architekten-Planer“ machte und mich selbst erst seit einigen Monaten intensiv mit der Planung von hochenergieeffizienten Passivhäusern beschäftige und eigentlich der Annahme war, dass dieser Gebäudestandard eher eine Spezialität im weitentwickelten Deutschland darstellt!

Am Abend – nach straffem Programm bei Schöck in Steinbach und meinen beiden Häuserbesichtigungen – wurden dann alle Architekten noch von Schöck zum Abendessen eingeladen, an dem auch ich teilnahm. Ein russischer Bauträger sprach am Ende des Abends für Martin Lamprecht (Organisator des Tages bei Schöck) und zur großen Überraschung auch für mich eine Einladung aus, im April 2012 nach Moskau zu kommen. Er wolle uns dort seine Bauprojekte zeigen und wir sollten ihn hinsichtlich Energieeffizientem Bauen beraten. Auch könnte man dies mit dem Besuch der großen russischen Baumesse Mosbuild verbinden, auf der auch Schöck einen Messestand hat und seine Produkte ausstelle.

Dies hörte sich für mich als Architekten natürlich „verlockend“ an, obwohl ich mir eher unsicher war, ob dies wirklich ernst gemeint war…

Zu meiner Freude meldete sich im Februar nochmals Martin Lamprecht von Schöck bei mir und teilte mir mit, dass er eine Email aus Russland erhalten habe von Herrn Kabruschkin, mit der offiziellen schriftlichen Einladung an uns beide, in der KW 15 nach Moskau zu kommen!

Als wir in Moskau am Flughafen ankamen, wurden wir von einem Fahrer – bereits organisiert von der Geschäftsführerin Frau Egorova von Schöck in Russland – mit einer Mercedes Limousine abgeholt und in unser Hotel gefahren, so dass wir uns – Gott sei Dank – um dies schon mal nicht kümmern mussten, die kyrillische Schrift an den Verkehrschildern hatten es echt in sich… 🙂

Bei der Fahrt durch Moskau zum Hotel bekam ich einen ersten Eindruck der Dimension dieser Stadt, vor allem der Größe der Gebäudekomplexe mit teilweise mehreren 1.000 Wohneinheiten, der Verkehr dieser östlichen Großstadt mit offiziellen 12 Mio. Einwohnern mit einer 6-spurigen Stadtautobahn in beide Richtungen, hat mich doch stark beeindruckt.

Martin Lamprecht (rechts) und ich vorm Kremel. Rechts die Basilius-Kathedrale am roten Platz.

Am nächsten Tag gingen wir nach einer kurzen ersten Stadtrundfahrt zur Messe Mosbuild. Dort besuchten wir zuerst den Schöck Messestand, auf dem alle Schöck Isokörbe, die man aus Deutschland kennt, ausgestellt wurden.

Ebenso lernte ich alle Schöck Mitarbeiter der russischen Schöck Firma kennen, die am Messestand motiviert den Planern und Bauunternehmern aus Russland die Schöck Isokörbe erklärten.

Das Interesse an den Schöck Produkten war sehr groß, der Stand war voll von Interessenten. In unmittelbarer Nähe des Schöck Standes waren alle bekannten deutschen Marken-Firmen der Baubranche mit Messeständen vertreten, die man als Architekt kennt wie Isover, Schüco, Rockwool, BASF, usw. Mir wurde nochmals klar, in welcher „Liga“ Schöck in der internationalen Baubranche als „Steinbacher Unternehmen“ eigentlich spielt.

Schöck Messestand auf der Baumesse Mosbuild

Ich ging mit Martin Lamprecht gemeinsam auch zu einem Fachvortrag für Planer, welcher im Rahmen der Messe zum Thema „Wärmebrückenvermeidung mit Schöck Isokorb®“ von einem russischen Schöck-Ingenieur vor ca. 100 Planern gehalten wurde. Aufgrund der Fragen der Zuhörer während und nach dem Vortrag hatte ich den Eindruck, dass dieses Thema von großem Interesse dort ist.

Am Abend wurden dann alle Schöck Mitarbeiter nach einem anstrengenden Messetag zum gemeinsamen Abendessen eingeladen, in ein Restaurant in der Stadtmitte von Moskau. Mittlerweile waren auch die zwei Schöck Vorstände Herr Wild und Herr Schmitz gekommen, die sich an diesem Tag ebenfalls die Messe und den Schöck Stand angeschaut hatten und am Abendessen teilnahmen. Somit waren wir eine große Gruppe von Schöck Mitarbeitern und ich als Architekt „mitten drin“…

Der Besuch des Messestandes und die Einladung aller russischen Schöck Mitarbeiter zu einem gemeinsamen Abendessen durch die Vorstände von Schöck war für die russischen Schöck Mitarbeiter eine große Ehre. An diesem Abend wurden mehrere „lobende Reden“ gehalten an das russische Schöck Team (simultan übersetzt durch Frau Egorova / Geschäftsführerin Schöck RUS), was selbst mir teilweise „etwas Gänsehaut“ bereitete. Die Stimmung unter den „Schöcklern“ war sehr gut und nach vielen guten und sehr netten Gesprächen und einigen „regionalen Getränken“ ging für mich ein sehr beeindruckender und schöner Abend im Kreise „Schöck“ zu Ende, den ich so schnell nicht vergessen werde. Mir wurde bewusst, welcher toller „Schöck Spirit“ bei den Mitarbeiter herrscht, obwohl die Meisten noch relativ kurz bei Schöck in Russland arbeiten.

Am nächsten Tag stand das Treffen mit dem russischen Bauträger Herrn Kabruschkin auf dem Programm, der im Dezember Teilnehmer der Architekten-Delegation bei Schöck war.
Martin Lamprecht und ich wurden vom Schöck Ingenieur Timur und Irina (einer jungen Russin, die erst seit Kurzem bei Schöck arbeitet, sehr gut Deutsch spricht und als Übersetzerin fungierte) im Hotel abgeholt und wir fuhren ca. 2,5 Stunden mit dem Auto außerhalb von Moskau auf eine Baustelle des Bauträgers, wo unser Treffen terminiert war. Die russische Welt außerhalb Moskaus ist zweifelsohne eine andere, dies ist eine meiner wesentlichen Erkenntnisse.

Herr Kabruschkin erwartete uns bereits und begrüßte uns herzlich und zeigte uns die gesamte Baustelle. Die Baustelle mit insg. 250 Wohnungen bestand aus mehreren 3-geschossigen Wohngebäudekomplexen, die teilweise bereits fertig gestellt und bewohnt und teilweise noch im Rohbau waren.

(von links nach rechts) Timur, Irina, ich, Herr Kabruschkin und Martin Lamprecht vor einem bereits fertig gestellten Wohngebäude des Bauträgers

Nachdem wir in Moskau-City nach unserer Einschätzung bereits eine gute Bauqualität mit guter Wärmedämmung der Außenwände, Qualitätsfenstern von Schüco, usw. angetroffen haben, sank das Qualitäts- und Ausführungsniveau auf dem Land drastisch. Allerdings auch die Baupreise mit ca. 400 Euro/qm, was in Deutschland und Moskau-City undenkbar wäre. Was wiederum positiv überraschte, war, dass die Wärmeversorgung der Gebäudekomplexe über Geothermie und Wärmepumpen realisiert wurde. Dazu wurden laut Herrn Kabuschkin insg. 100 Bohrungen bis in ca. 50 m Tiefe durchgeführt. Eigentlich denkt man doch bei Russland immer an Grazprom!?

Auch überraschte uns der Plan des Bauträgers, in Russland sein erstes Wohngebäude im Passivhausstandard zu erstellen. In unserem langen Gespräch im Baubüro informierten wir die Verantwortlichen über die Konstruktions- und Qualitäts-Grundsätze bei der Planung und Ausführung von Passivhäuser. Im Sommer soll nun ein nächster vor Ort Termin am Baugrundstück des angedachten Passivhauses stattfinden. Bis dorthin sollen die Pläne konkretisiert werden und erste Kalkulationen der Baukosten erstellt sein.

Eines ist bereits heute schon klar: Das Gebäude soll viele Balkone bekommen – da das Baugrundstück direkt an einen See liegt – und diese Balkone sollen zur Minimierung der Wärmebrücken mit Schöck Isokörben thermisch getrennt sein.


  Weiterempfehlen Mail Facebook
2 Kommentare zu "Mit Schöck in Moskau"
Martin Lamprecht schreibt am 26. April 2012 um 13:51

Hallo Thomas,

danke für den Bericht, habe ich sehr ähnlich erlebt… VG Martin

Ustra schreibt am 30. April 2012 um 22:35

Klasse Bericht, herzlichen Dank dafür.

Kommentar verfassen