Yevgeniya Nedilko

Je mehr, desto spannender. Russland.

Viele von uns haben bestimmt dies oder jenes über den neuen Markt Russland schon gehört bzw. damit zu tun gehabt. Russland ist ein schwieriger und ein anspruchsvoller Markt. Allerdings je mehr ich das Land kennenlerne, desto spannender wird es.

Ich bin leider so gut wie nie in Moskau, aber dank einer engen Zusammenarbeit mit unserem Außendienst kann ich Ihnen gerne viele spezifische Sachen berichten.

Der Isokorb® ist deutschlandweit sehr gut bekannt, er wird in jedem zweiten Haus ohne Bedenken eingebaut. Vor allem spricht man hier über übliche Mehrfamilienhäuser, etwas weniger über Industriegebäude. In Russland ist der Einsatzbereich des superioren Gutes Schöck Isokorb® etwas anders als in Deutschland: und zwar wird es unter anderem für Mehrfamilienhäuser verwendet, die allerdings ganz anderer Art sind. Die meisten Objekte in unserer Verantwortung sind Gebäude mit einer außergewöhnlichen Architektur, mit den innovativsten Lösungen in allen Bereichen und gelten als Luxus Wohnungen. Sie drücken die Qualität einerseits und die Zugehörigkeit ihrer Einwohner zur oberen Schicht andererseits aus.

Im Moment sind wir in das markante und kennzeichnende Projekt „Trubeckaya“, das sich in der Nähe des Moskauer Stadtzentrums befindet, involviert. Die Grün- und Parkanlage, die ideal für Familienfreizeit und Kinderspiele geeignet ist, umgibt das Mehrfamilienhaus. Auf 38.330 m² sollen nur 90 Wohnungen entstehen, dabei beträgt die Mindestfläche einer Wohnung etwa 100 m².  Dazu kommt eine Tiefgarage für 288 Autos (für 90 Familien ;-)). In einem Sportzentrum, das nur für Bewohner gedacht ist, findet man ein Schwimmbad, ein Fitness Studio, SPA und Sportärzte, unterschiedliche Saunas, ein Solarium und einen Billardsaal. Für die Kleinsten ist ein Kinderzentrum mit einem richtigen Kinosaal(!) und für ihre Eltern ein großzügiger Freizeitraum auf 2 Etagen vorgesehen.

Die künftigen Besitzer ihrer Traumwohnungen sind bereit, in ihren Traum zu investieren. Und je höher die Investitionen sind, desto höhere Ansprüche sind ihrerseits berechtigt. Und wie wird Schöck mit der Angelegenheit konfrontiert?

Mit dem neuen Produkt auf dem neuen Markt müssen wir nicht nur die Qualität und Zuverlässigkeit des Isokorbes und Dornes beweisen, sondern auch unsere eigene Fähigkeit die alle anspruchsvollsten Kunden zufrieden zu stellen, die Bauherren zu überzeugen. Es genügt nicht einen guten Vertrag erfolgreich abzuschließen, das Produkt rechtzeitig (inklusive Anarchie auf der Grenze) zu liefern und einmal eine Baustelle zu besuchen, um Einweisungen zu geben.  Die nächste verantwortungsvolle Phase fängt auf der Baustelle selbst an. Der Außendienst lässt die Kunden in ihren gemütlichen Architekten- und Statikerbüros abwarten und zieht bildlich gesprochen auf die Baustelle um. Mit unserer Präsenz auf der Baustelle garantieren wir nicht nur den richtigen Einbau, sondern gewinnen das Vertrauen von unseren künftigen Partnern. Schritt für Schritt bauen wir das Schöck Image vor Ort auf.

Es ist ein klassischer Fall: alles Neue, Extraordinäre stößt auf Misstrauen und sogar Widerstand. Somit ist es kein Wunder, dass die Bauherren auf der Baustelle ziemlich skeptisch dem Isokorb® gegenüber eingestellt sind. Es fällt ihnen schwer, zu glauben, dass ein leichter kleiner „Flieger“ in der Lage ist, den ganzen Balkon auszuhalten: „Ok, ich werde dies einbauen, aber unter diesem Balkon werde ich nie spazieren gehen!“

Auf der russischen Baustelle arbeitet man in Schichten, d.h. jede Schicht muss separat geschult werden. Innerhalb eines Bauteams findet auch eine ständige Rotation des Personals statt. Außerdem ist es nicht ausreichend, den unqualifizierten Kräften (auf der Baustelle arbeitet jedermann) einmal die Vorgehensweise des Einbaus zu erklären, hier und da ist immer wieder unsere Unterstützung gefragt.

Nichtsdestotrotz haben unsere russischen Kollegen die Situation gut im Griff und… no initiative goes unpunished. Ein Moskauer Statikerbüro, das fürs Projekt „Trubeckaya“ verantwortlich und vollkommen zufrieden mit unserer Arbeit ist, hat eine Verordnung herausgegeben (und somit sich das Leben erleichtert), dass ohne die Freigabe vom Schöck Team nicht betoniert werden darf. Jetzt ist eine Signatur von Timur Bobodzhanov oder Nikolaj Pavlov strikt erforderlich, damit die Bauarbeiten weiter gehen dürfen. Besonders freuen sich die Kollegen über die Anrufe Sonntagsfrüh: „Der Beton kommt in 2 Stunden, seien Sie bitte vor Ort“. 🙂

Die präzise Kontrolle auf der Baustelle und die schrittweise Einbaubegleitung haben natürlich ihre Gründe. Ein russischer Bauarbeiter (sowie russische Leute an sich) ist sehr unternehmungslustig und erfinderisch. Wenn er ein „Problem“ sieht, findet er eine Lösung ohne lange zu suchen oder zu fragen.

Die folgenden Situationen gefallen mir sehr. Es wurde im Projektunterlagen (anlehnend an die TI Dorn) 8mm gerippte Baustahl A 500 als Bewährung vorgegeben. Die ausgeschriebene Stahlart war nicht vorhanden, also hat man stattdessen ohne weiteres eine 8mm glatte Baustahl A 240 genommen und den Punkt abgehakt. Oder einmal schien der Isokorb® den Bauarbeitern so unzuverlässig und unglaubwürdig, dass sie den Platz für ihn nur in der oberen Bewehrung gelassen haben. Die untere Bewehrung sollte ihrer Meinung nach sicherheitshalber durchbetoniert werden. 🙂 Ich war nie auf einer Baustelle in Russland, aber ich kann mir sehr wohl die menschliche Unsicherheit da vorstellen, denn die Bewehrung ist auf einer russischen Baustelle viel dicker als unsere Isokorb® Stäbe.

Im Team Russland und im Land Russland wird es nie langweilig.


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