Andreas Braun

Bauphysik live!

Interne AWT-Schulung (Teil 3) zum Thema klimabedingter Feuchteschutz

Bauphysik!!!

Ein Thema, das mich auch während meiner 3,5-jährigen Weiterbildung zum Bautechniker begleitete.

Da ich durch das Fernstudium gezwungen war, mir den Lernstoff selbst beizubringen, hatte ich doch manchmal den Wunsch nach einfacheren Erklärungen. Beispiele, die mir spielerisch den Sinn und die Notwendigkeit eines Themas begreiflich machen konnten.

Viel trockene Theorie, die man mit dem wirklichen Leben nicht so richtig in Verbindung bringen konnte.

Manchmal wirklich schwere Kost …

Nicht so bei unserer dritten AWT-Bauphysikschulung. Peter sammelt in regelmäßigen Abständen bauphysikalische Themen zusammen und trägt diese bei unseren internen Schulungen vor.

Dieses Mal hat er, ganz weg von der trockenen Theorie, zwei praktische Versuche vorbereitet. Einfache Versuchsaufbauten mit  „eingebautem Aha-Effekt“.

Thema war dieses Mal ’Der klimabedingte Feuchteschutz’

Nach den theoretischen Grundlagen, die auf Formeln wie dieser beruhen…

Ermittlung der Wasserdampfkonzentration

…gingen wir doch lieber zur Praxis über.

Hierzu hat Peter zwei verblüffend einfache Versuchsaufbauten in seiner heimischen Werkstatt zusammengetüftelt.

Versuch
Nebel in der Plastikflasche
(übrigens auch zum Nachmachen in der Mittagspause geeignet)

Stichworte:
Luftfeuchtigkeit, Kondensation, Wasserdampfsättigungsdruck.

Bei diesem Versuch lassen wir Nebel entstehen. Dazu benötigen wir:

  • eine Mineralwasserflasche aus Plastik
  • eine Pfütze Wasser
  • Streichhölzer

Einfacher geht's nicht!

Zuerst füllen wir die Flasche mit Wasser (ca. 3 cm hoch). Wir zünden ein Streichholz an, halten es über die Flaschenöffnung oder besser hinein und blasen es aus. Es sollte hierbei möglichst viel Rauch in die Flasche gelangen.

Nun verschließen wir die Flasche, schütteln sie, sodass die Innenwand mit Wasser benetzt wird.

Jetzt zum Versuch. Mit beiden Händen drücken wir die Flasche kräftig zusammen und erzeugen so im Innern Druck.

Anita Heinzinger (Anwendungstechnik Schweiz)

Anita Heinzinger (Anwendungstechnik Schweiz)

Dann lassen wir wieder los, der Innendruck verringert sich schlagartig und es entsteht in der Flasche ein gut sichtbarer Nebel. Dies kann mehrfach wiederholt werden.

Was ist passiert?
In der Flasche herrscht eine hohe Luftfeuchtigkeit. Durch den plötzlich niedrigeren Luftdruck zwingen wir den Wasserdampf zur Kondensation.

Ach so… wofür eigentlich das Streichholz?
Nebel braucht „Kondensationskeime“ zum Ausfallen; dies ist bei uns der Rauch des Streichholzes; in der Natur ist der Staub bei Nebelbildung hierfür zuständig.

Versuch
Tauwasserausfall „live“

Stichworte:
Tauwasserausfall, Taupunkt

Mit diesem Versuch lassen wir auf einem Spiegel zur genau berechneten Oberflächentemperatur Tauwasser ausfallen.

Dazu benötigen wir:

  • gedämmte Kühlbox aus Styropor
  • Kühlaggregate
  • Spiegel
  • Hygrometer
  • 2 Thermometer

Peter und ich bei der Generalprobe

Wir messen nun die Raumtemperatur und die zugehörige Raumluftfeuchte. Dem in der Luft enthaltenen Wassergehalt wird nun für eine 100%ige Luftfeuchte eine entsprechende Taupunkttemperatur zugerechnet.

Nun geht’s los. Kühlaggregate in die Dämmkiste, Spiegel d’rauf, Oberflächen-Thermometer auf den Spiegel setzen und …  warten.

Siehe da: Nach Erreichen der errechneten “Oberflächentemperatur“ beschlägt der Spiegel; oder anders ausgedrückt, bekommen wir sinngemäß „feuchte Wände“.

ich und Hanaa Sadallah in der Schulung

Interessant, lebendig, live … so muss Bauphysik sein.

Vielleicht lässt sich Peter für die nächste Schulung wieder etwas einfallen.

Grüße aus der AWT


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2 Kommentare zu "Bauphysik live!"
Micha schreibt am 17. Oktober 2011 um 09:41

Hallo Andreas, ich habe solche praktischen „Exkurse“ auch immer gemocht. Vor allem das „Selber machen“ hat einen eigenen Lerneffekt, der durch keine anderen Übungen ersetzbar ist. Leider ist es schwer, von solchen Versuchen wieder den Bogen zurück zur trockenen Formel zu bekommen. Es fehlt eben die Zeit, nicht nur das Prinzip, sondern auch die Formel selbst herzuleiten. Das hätte mir am meisten geholfen. Denn abgesehen von den Versuchen bleibt Bauphysik ziemlich „frontal“, was den Hauptinhalt angeht.

Ingo schreibt am 24. November 2011 um 22:14

Während meiner Meisterausbildung habe ich mich mit den Formeln und der grauen Theorie auch immer schwer getan. Zum Glück hat unser Ausbilder auch immer solche praxisnahen Beispiele und Experimente zur Hand gehabt – gerade am Bau sind wir ja eher die „Praktiker“ als die Theoretiker und oftmals funktionieren die Dinge in der Praxis eben auch nicht so, wie die Theorie es behauptet. Ich finde jedenfalls, dass genau solche Experimente und Beispiele in der Ausbildung zum Pflichtprogramm gehören sollten, da sie das Gesamtverständnis fördern.

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