Markus Heck

Vorlesung „Bauphysikalischer Diskurs“

Nicht viele Unternehmen aus der Bauwirtschaft haben die Möglichkeit, ihre Produktlösungen und Serviceleistungen im Rahmen einer Vorlesung vor zukünftigen Bauphysikern zu referieren.

Doch die guten Beziehungen unseres Vorstandsvorsitzenden Nikolaus Wild zum Leiter des Lehrstuhls Prof. Dr.-Ing. Dipl.-Phys. Klaus Sedlbauer und der hohe Bekanntheitsgrad der Firma Schöck an der Universität Stuttgart führten im November 2010 zu einer ersten konkreten Anfrage für das neue Lehrangebot „Bauphysikalischer Diskurs“.

Dieser ist konzipiert für Studierende im 6. Semester des Bachelor-Studiengangs. Ziel der Vorlesungen ist, bauphysikalische Themen durch Experten aus der Praxis zu präsentieren und zu diskutieren. Dabei liegt der Fokus auf der methodischen Vorgehensweise zur Behandlung bauphysikalischer Problemstellungen.

Schwerpunkte der Veranstaltung:

  • Anwendung aus und in der Praxis
  • Innovationen und neue Materialien
  • Probleme und Fehlerquellen bei der Ausführung
  • bauphysikalische Sanierung

In Abstimmung mit der wissenschaftlichen Mitarbeiterin des Lehrstuhls Frau Dipl.-Ing. Simone Eitele erstellte ich die Unterlagen für die Vorlesung. Die große Herausforderung dabei war, eine kurze Firmenpräsentation, vertiefendes bauphysikalisches Wissen im Wärmeschutz (z. B. Berechnung von Psi-Werten, Wärmebrücken und Transmissionswärmeverlusten), gepaart mit Lösungen aus und für die Praxis in eine Vorlesungszeit von 80 Minuten zu packen.

Nicht zu vergessen: der große Wissensdurst beim Thema „Trittschallschutz im Treppenbau“ (z. B. nach Fehlerquellen, die zu Schallbrücken bei der Herstellung von Treppenanlagen führen).

Zwei Wochen vor Vorlesungsbeginn sollte der Vortrag fertig sein, damit er zur Vorbereitung für die Studenten im Uni-eigenen Intranet veröffentlicht werden konnte.

Am 30.06.2011 war es dann soweit. Eine halbe Stunde vor Vorlesungsbeginn bestückte ich den Vorlesungsraum mit allerhand Produktmustern und legte für die Studierenden Produktkataloge, Schreibblöcke, Druckminenbleistifte und Schlüsselanhänger aus. 14 Uhr Vorlesungsbeginn. Alle 28 Studenten/-innen hatten Platz genommen und freuten sich über die vielen Präsente. Ich höre Stimmen: „Wow, der Bleistift ist sogar von Rotring!“ Frau Simone Eitele bat um Ruhe und stellte mich anhand meines beruflichen Werdegangs vor.

Nun war ich an der Reihe. Während der kurzen Firmenpräsentation wurde mir durch zustimmendes Nicken schnell klar, dass die Firma Schöck und deren Produkte hier keine Unbekannten sind.

Zugegeben, etwas Bauchschmerzen hatte ich schon, ob ich als Bauingenieur des konstruktiven Hochbaus den Anforderungen von angehenden Bauphysikern gewachsen bin – oder bei den ersten Folien zur Vertiefung der bauphysikalischen Grundlagen nicht im Urschlamm des Wärmeschutzes rühre und die Zuhörer langweile.

So entschied ich mich kurzerhand zu einer ungewöhnlichen Ansage an das Auditorium und das in leicht schwäbischem Dialekt: „Wenn ich Sie, meine Damen und Herren, mit der einen oder anderen Folie langweile, dann möchte ich von Ihnen ein lautes, gelangweiltes und schwäbisches „WAIDER“ hören. Sie wissen, wir haben nicht viel Zeit!“

Das Gelächter war groß, das Eis gebrochen, die Bauchschmerzen wie weggeblasen und die 80 Minuten wie im Flug vergangen. Ohne ein einziges „WAIDER“.

Nach anschließender Diskussion mit reichlich interessierten Fragen, wurde es nochmals ernst für die Studenten. Frau Eitele teilte Fragebögen aus, auf denen 3 von mir vorformulierte Fragen innerhalb von 10 Minuten zu beantworten waren. Für die aufmerksamen Zuhörer stellte sich dies als gut lösbare Aufgabe heraus.

Eine tolle Veranstaltung, die nun jährlich für das 6. Semester Bachelor Bauphysiker im Bauingenieurwesen der Immobilientechnik und Immobilienwirtschaft stattfinden wird.

An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön für die bauphysikalische Unterstützung bei der Vortragserstellung an Ute Schroth und Peter Kolb sowie an Simon Zowislo für die tollen Produktmuster und Werbegeschenke.


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