Yevgeniya Nedilko

Das Unternehmen Schöck besser verstehen

Fast ein Jahr ist es schon her, seitdem ich bei Schöck angefangen habe. Von den ersten Wochen an war ich über das Arbeitsklima im Unternehmen verwundert und davon begeistert. Bis jetzt hat sich daran nicht viel geändert. Wie jeder von uns Neueingestellten, habe ich während der Einarbeitungsphase alle Abteilungen kennengelernt und einen Überblick über meine Ansprechpartner bekommen.

Jetzt weiß ich die Möglichkeit zu schätzen, in die Struktur des Unternehmens von Anfang an schnuppern zu dürfen. Das hilft die Zusammenarbeit der Abteilungen zu begreifen und ihren Einfluss aufeinander zu erkennen. Ich beobachte gerne die Prozesse und  Strukturen. Ich muss unbedingt die Zusammenhänge verstehen, damit mir meine Arbeit Spaß macht. Ich bin neugierig, die Kausalketten zu erkennen: was-warum-wozu im Unternehmen gemacht wird.

Vor kurzem bin ich zufällig auf ein Buch gestoßen, das mir eine ganz andere Perspektive auf unsere „Schöck“ gegeben hat.

Das Buch heißt „Chasing the Rabbit: How Market Leaders Outdistance the Competition and How Great Companies Can Catch Up and Win“ von Steven J. Spear. Das Buch beschreibt, wie Marktführer im Wettbewerb gewinnen und wie hervorragende Unternehmen sie einholen können. Als leitendes Beispiel für einen Marktführer wurde dabei Toyota dargestellt, das Unternehmen, das bei den gleichen Bedingungen (Konjunktur, Personalausbildung, Entwicklungszeit, Produktionskapazität) die doppelte Anzahl  an Autos im Vergleich zum Wettbewerb entwickelt und produziert.  Auf fast 300 Seiten wird verraten, was Toyota anders macht and what makes the difference.

Die erste Erkenntnis für mich war die Rolle des Vorgesetzten. Bei Schöck höre ich immer wieder: “Wie kann ich Dich in dieser Situation unterstützen? Was brauchst Du dafür?“  Anscheinend ist das nicht nur mein persönliches großes Glück, eine talentierte Vorgesetzte zu haben, die eher eine Rolle des Coaches übernimmt als die der bösen Hexe. Dieser Führungsstil ist laut Experten eine der bestimmenden Komponenten im Erfolgsbündel.

Toyota behauptet, dass einer der wichtigsten Erfolgsfaktoren eines Unternehmens die Fähigkeit eines Mitarbeiters ist, Probleme eigenständig zu lösen. Es geht nämlich darum, das Problem zu erkennen, zu lösen und das Wissen darüber weiter zu geben. Bei Toyota in der Produktion ist es Pflicht die kleinsten Verbesserungsvorschläge täglich zu melden, innerhalb von 24 Stunden (wenn möglich) umzusetzen und einen Bericht direkt an den oberen Vorgesetzten zu schicken. Kommt Ihnen das nicht bekannt vor? Dem Anschein nach haben unsere KVPs (KVP = kontinuierlicher Verbesserungsprozess) eine viel größere strategische Bedeutung als auf den ersten Blick zu erkennen ist.

Die Wissensweitergabe ist das  A und O bei Toyota. Dasselbe Problem darf nicht zweimal auftreten; das vermindert Effizienz und Reaktionsfähigkeit eines Unternehmens. Das Know-How muss im Unternehmen auch dann bleiben, wenn das zuständige Personal nicht mehr verfügbar ist. Daher waren letzte Woche in meinem Terminkalender 2 Stunden für „Schulung interner Prozesse“ geblockt. Innerhalb unserer Abteilung erstellen wir Dokumentationen für interne Prozesse und Arbeitsanweisungen, die uns betreffen. Ich bin kein großer Fan von „theoretischem Arbeiten“, allerdings muss ich einsehen, dass ich die Rolle der Dokumentation etwas unterschätzt habe.

Was mir auch stark in Erinnerung geblieben ist, ist die Frage, die im gesamten Buch immer wieder in unterschiedlichen Formen auftaucht  – „Und was haben Sie daraus gelernt?“ Ein Top Manager bei der Präsentation eines Jahresberichtes, in dem die Zahlen unverschämt falsch kalkuliert bzw. eingeschätzt waren, hat keine Kündigung bekommen, wie erwartet wurde, sondern nur eben diese Frage. Und bei einer Werkbesichtigung wurde nicht nach den besten Erzeugnissen gefragt, sondern nach den Sachen, die falsch gelaufen sind – „Und was können Sie hier besser machen?“  Man bekommt auf jeder Ebene genug Freiraum, um seine Ideen einzubringen, zu begründen und dann umzusetzen.  Somit landen wir in der Win-Win Situation, in der sowohl Arbeitgeber als auch Arbeitnehmer voneinander bzw. von der Einstellung der anderen Seite profitieren. Das ist das Schöne an der Sache.

Steven J. Spear, “five-time winner of the Shingo Prize for research excellence and recipient of the McKinsey Award, a former assistant professor at Harvard”, beschreibt in seinem Buch die internen Schöck Abläufe. Eine angenehme Erkenntnis, nicht wahr?


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1 Kommentar zu "Das Unternehmen Schöck besser verstehen"
Ustra schreibt am 22. Juli 2011 um 09:32

Klasse Beitrag, Danke dafür!

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