Wolfgang Ackenheil

GFK-Bewehrung? Aber sicher!

Neue Technologien haben es nicht einfach. Ihnen begegnen zunächst Skepsis und alte Gewohnheiten. Wie ging es Ihnen als Sie das erste Mal die Milch in die Mikrowelle zum Aufwärmen stellten statt wie gewohnt den Topf auf dem Herd heiß zu machen? Oder das erste Essen aufwärmten statt im Topf zu rühren? War da nicht zuerst der Blick zurück? War es vorher nicht besser? Inzwischen gehört das Gerät im Haushalt zum Alltag. Die Liste der Geräte und Technologien in unserer modernen Zeit ist lang. Doch die Technik darf nicht nur der Technik wegen gemacht werden. Sie muss ein Nutzen bringen und sicher sein. Das gilt besonders am Bau, wo sichere Statik auch Sicherheit für Menschen bedeutet. Und das gilt auch für die neue glasfaserverstärkte Kunststoffbewehrung von Schöck.

Auch diese neue Technologie hat einen langen Weg aus dem Entwicklungslabor in die Baupraxis hinter sich.  Und auch hier geht Sicherheit vor.

Der erste wichtige Schritt ist getan. Das Deutsche Institut für Bautechnik (DIBt) hat eine Zulassung für den dauerhaften Einsatz eines Bewehrungsstabes aus GFK erteilt – und zwar für den geraden Schöck ComBAR®-Stab mit einem Nenndurchmesser von 16 Millimetern. Mit dieser Zulassung sind nun flächige Bewehrungen möglich. Für den Einsatz von ComBAR® ist für alle Anwendungen, welche die Rahmenbedingungen der Zulassung sprengen, eine Zustimmung im Einzelfall erforderlich. Diese erfolgt auf Basis eines unabhängig begutachteten Bemessungskonzeptes. Hier sorgen wir für zusätzliche Sicherheit. Schöck bietet hierzu bei der Planung schon umfassende Hilfe an. So finden Sie das Bemessungskonzept und beispielhafte Bemessungen unter www.schoeck.de. Neben der virtuellen Welt helfen Ihnen erfahrene Schöck-Ingenieure auf Wunsch das konkrete Bauprojekt und erstellen Lösungsvorschläge mit Berechnungen und Detailzeichnungen. Mit Leib und Seele. Denn da gibt es einiges zu beachten.

Aufgrund der besonderen Materialeigenschaften von ComBAR® weichen die Bemessungsschritte dabei von einer Betonstahl-Bemessung ab. Das Sicherheitskonzept folgt den Regeln der DIN 1055-100 (EC1) und den bauspezifischen Ergänzungen der DIN 1045-1 (EC2) in Analogie zum Betonstahl. Ebenfalls in der DIN 1045-1 sind die Grundprinzipien und Annahmen für die Ermittlung der Schnittgrößen festgesetzt. Sie umschreibt zudem die anzuwendenden Berechnungsverfahren wie zum Beispiel die linear-elastische Berechnungsmethode mit Momentenumlagerung, die Plastizitätstheorie sowie die nichtlineare Berechnungsmethode unter Berücksichtigung des wirklichen Werkstoffverhaltens. Da glasfaserverstärkter Kunststoff ein linear-elastisches Verhalten bis zum Versagen des Materials aufweist, tritt eine Momentenumlagerung wie beim Einsatz von Betonstahl in statisch unbestimmten Systemen praktisch nicht auf. Langzeitverformung und Kriechen von ComBAR® sind mit Betonstahl vergleichbar. Dennoch müssen zur Bemessung der Tragfähigkeit einige besondere Annahmen zugrunde gelegt werden. Zu beachten ist, dass GFK gegenüber seiner hohen Zugfestigkeit eine deutliche geringere Druckfestigkeit als Stahl aufweist und sich daher nur sehr bedingt als Druckbewehrung eignet. Für Querschnitte mit rechteckiger Druckzone und für Plattenbalken können Bemessungshilfen wie Diagramme und Nomogramme für ComBAR® verwendet werden. Außerdem kann die Ermittlung der erforderlichen Bewehrung auch mit Bemessungsprogrammen erfolgen – sofern die Systemdatenbank um die Materialeigenschaften von ComBAR® ergänzt wird.

Es geht also. Wir finden eine Lösung. Damit ist ComBAR® kein Exot sondern eine Technologie, die sich mehr und mehr durchsetzt. Eine weitere Zulassung ist bereits in Aussicht. Und Sie können noch mehr innovative Baulösungen schaffen. Ob korrosionsbeständig, magnetisch neutral oder leicht zerspanbar – immer dann, wenn Stahl an seine Grenzen stößt. Sind Sie auch schon an solche Grenzen gestoßen? Wie sind Ihre Erfahrungen? Versuchen Sie es einfach. Mit den Bemessungshilfen sind Sie auf der sicheren Seite. Und irgendwann ist es so einfach, wie der Startknopf an der Mikrowelle.


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2 Kommentare zu "GFK-Bewehrung? Aber sicher!"
Werner Venter schreibt am 20. August 2010 um 18:43

Hallo Herr Ackenheil,

der Link zwischen ComBAR und der Microwelle ist wirklich trefflich. Anfangs hatten wir auch die Geräte nur selten im Einsatz und nicht selten wurden die Teile in die hinterste Ecke der Küche verstaut (der gefährlichen Strahlung wegen)
Heute ist die Micro, wie sie gerne genannt wird ein echt nützliches Gerät und täglich im Einsatz 🙂

Aber zurück zur GFK Bewehrung!
Sie schreiben weiter unten über neue Zulassungen, welche kommen werden. Ein weiterer Beweis für die Sicherheit und die Zuverlässigkeit des ComBARs hat gerade die KIWA mit ihrer Zulassung für ComBAR die Durchmesser 8,12 und 16 gegeben.
Jetzt sind ist das Deutsche Institut für Bautechnik wieder am Zug. Aber sie haben Recht: bis zum Jahresende ist bestimmt auch die Zulassung in Deutschland durch.
… ich freu mich schon darauf!

Initative Pro Immobilie schreibt am 3. November 2010 um 12:08

Balkonbau und Bewehrungstechnik – auch für den Spezialfall…

Lesenswertes Thema. Danke für den Beitrag….

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