Knut Kickstein

Fußball, Schiedsrichter und HD-Fernsehen

auch EBI ist schon vom WM-Fieber infiziert

Nun sitzen wir wieder öfter vor der Glotze, welche heut zu Tage natürlich ultraflach ist und mindestens eine Bildschirmdiagonale von 1m aufweist. Nie waren wir bei einer Fußball-WM so nahe am Geschehen wie heute, obwohl wir doch alle zu Hause oder auf dem heimischen Marktplatz beim Public Viewing sind und nicht vor Ort im fernen Südafrika. Uns werden, in gestochen scharfer Bildqualität, die Gesichter der Spieler gezeigt, in welchen wir die Anstrengung, den Schmerz, das Entsetzen, die Wut oder die Freude in jedem Detail erkennen können. Bei manchen Einstellungen ist es möglich, den einzelnen Grashalm im Rasen zu erkennen. Oft sehen wir bestimmt mehr Details als so mancher Akteur auf dem Platz – einschließlich der Schiedsrichter. Was für eine aufwendige Technik wird für uns Zuschauer heute eigentlich bereitgestellt, damit wir auch jeden Wutausbruch des Teamchefs detailgenau mitbekommen können. Damit wir die Bilder bekommen, die wir bei den Übertragungen heute bestaunen können, werden zig Hightech-Kameras und dutzende Mikrofone rund um den Platz positioniert.

Was hat dieser Aufwand und die neue Technik nun für Folgen? Wir Zuschauer zu Hause im Fernsehsessel sehen so manche Situation besser als die Schiedsrichter auf dem Platz. Der Schiedsrichter muss eine Situation, die oft nur Bruchteile von Sekunden dauert, richtig, gerecht und natürlich unparteiisch beurteilen. Manchmal steht ein Spieler dazwischen, manchmal schaut er gerade in die falsche Richtung oder es handelt sich um ein Geschehen hinter seinem Rücken. Und was müssen wir nun in der Ultrazeitlupe auf dem hoch auflösenden Bildschirm mit anschauen? Es wird ein Foul gegeben, welches keines ist, es wird ein 11m gegeben welcher keiner ist, es wird kein 11m gegeben welcher aber einer ist oder Spieler sehen völlig unberechtigt die rote Karte. Wir sehen am Bildschirm ganz genau und detailliert aus einer Vielzahl von Kameraperspektiven in Superzeitlupe was passiert ist. Warum dürfen die Schiedsrichter nicht das sehen was wir alle zu Hause sehen? Warum gibt es, bei der heute zur Verfügung stehenden Technik, keinen weiteren Schiedsrichter am Monitor? Dieser könnte doch seinen Kollegen auf dem Platz bei ihren Entscheidungen helfen. Zumindest könnte er bei Unsicherheiten die Entscheidung in die richtige Richtung lenken. Die Schiedsrichter scheinen heute eh eine Sprechverbindung über Funk mit allen Kollegen zu haben. Fußballspiele, bei denen es um sehr viel geht, würden dann mit Sicherheit gerechter ablaufen. Ich kann nur hoffen, dass die Entscheidungsträger im internationalen und nationalen Fußball hier endlich umdenken werden.

Mir ist allerdings auch klar, dass eine Hightech-Übertragungsanlage nicht bei jedem Spiel der 3. Liga vorhanden sein kann. Aber dort, wo sie im Einsatz ist, sollte sie auch entsprechend von den Schiedsrichtern genutzt werden.


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6 Kommentare zu "Fußball, Schiedsrichter und HD-Fernsehen"

Klaus schreibt am 23. Juni 2010 um 09:53

Ein sehr netter Bericht. Jedoch muss ich sagen, was wäre es für eine Sportart, wenn alles über Hightech laufen würde? Dann Bräuchte man ja gar keinen Schiri mehr. die Entscheidungen sollen ja schließlich auf dem Spielfeld getroffen werden und nicht hinter einem Flachbild TV! Des Weiteren muss ich klar stellen, dass ein Torraumschiri genau so überflüssig ist und hoffentlich ganz abgeschafft wird!

Knut Kickstein schreibt am 23. Juni 2010 um 10:52

Für alle, die Hightech auf dem Fußballplatz nicht mögen:

Ihr habt natürlich auch recht – warum?

Weil es das Leben ist!
Wir müssen eben hin und wieder ungerecht behandelt werden und wir müssen hin und wieder auch mal Glück haben (der Schiri hat’s nicht gesehen)!
Fußball ist Emotion!

Aber es ist schon sehr ärgerlich die Fehlentscheidungen der Schiri’s immer wieder mit ansehen zu müssen.

Nikolaus Wild schreibt am 23. Juni 2010 um 12:56

Sinnvolle Nutzung der Technik als Ergänzung ist ein abolutes Muß!!! Tatsachenentscheidung hin oder her: hier geht’s um globale Maßstäbe und um sehr viel Geld: Wer das nicht will sollte besser in der Amateurliga bleiben; und wer nicht mit der Zeit (Stand der Technik) geht, geht lt. Gorbatschow mit der Zeit -das gilt für den Weltfußball genauso wie für den Isokorb. Also: Druck auf diese rückständige Altherrenriege in der FIFA und freie Fahrt für den Fortschritt.

Simon Zowislo schreibt am 29. Juni 2010 um 14:56

Das Spiel gegen England zeigt deutlich die Notwendigkeit dieser Diskussion. Meiner Meinung nach sollte die vorhandene Technik (speziell die Torraumkamera) genutzt werden. Dies wäre völlig unkompliziert und würde das Spiel auch nicht kaputt machen.

Sicherlich nicht wenige der deutschen Fans überkam beim Spiel „leichte“ Schadenfreude gegenüber den Engländern – aber stellt man sich die womöglich spielentscheidende Szene einmal umgekehrt vor, so ist die Wut und Enttäuschung der englischen Spieler und Anhänger nach der Fehlentscheidung nur allzu gut nachzuvollziehen,oder?

Aber auch das hätte in diesem Spiel nichts genutzt, Deutschland hätte das Spiel auch ohne diese Fehlentscheidung gewonnen, auch wenn das sicherlich schwer einzugestehen ist, liebe Engländer…

Knut Kickstein schreibt am 1. Juli 2010 um 08:37

Die FIFA lies ja in den letzten Tagen durchblicken, zumindest über das Thema einmal nachzudenken und dann eventuell doch Reformen einzuleiten. Nach den letzten Ereignissen in Südafrika kann die FIFA dies Thema nicht mehr totschweigen – hoffe ich!

Ustra schreibt am 1. Juli 2010 um 12:35

Technische Hilfsmittel mögen wohl nicht für alle Spieler des Spiels auf der ganzen Welt zugänglich sein, ebenso wenig wie Schiedsrichter, Assistenten, Trainer, gutes Schuhwerk, vernünftige Tore, ordentliche Felder oder sogar anständige Bälle…so wird eben manch eine Kreis- oder Verbandsliga auch zukünftig ohne technische Hilfsmittel auskommen müssen.

Profi-Fußball aber muss, so gut es geht, einen gewissen professionellen Standard garantieren, vor allem wenn er auf der höchsten Bühne der Welt stattfindet.

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