Elisabeth Kaiser

Endlich Wochenende – endlich Marathon!

Was gibt es da schöneres, als morgens um 8 Uhr bei 11 Grad und Nieselregen auf seine Startnummer zu warten? Alles andere muss schöner sein, denken Sie sich jetzt. Sie haben mein volles Verständnis.

Noch vor einiger Zeit hätte ich, allerlei Unflätigkeiten lauthals aufzählend, wesentlich heftiger reagiert als Sie. Um 8 Uhr würde ich mich noch mal mit meiner Bettdecke unterhalten. Um 9 Uhr hätte ich mich wohlig, an meine Kaffeetasse klammernd, zurückgelehnt und mit einer nicht zu verbergenden Überheblichkeit all der armen, meist Midlife Crisis geplagten, Läufer gedacht, die genau jetzt keuchend gegen ihre Jahresringe anrannten. Lauftreff nennt man das dann außerhalb der Wettkämpfe. Nein, soweit wird es mit mir niemals kommen.

19. Juli 2009, 8 Uhr: ein bisschen ist es wie bei „Lola rennt“. Gleiche Uhrzeit gleicher Tag, die Handlung beginnt noch mal von vorne. Bereits um 8 Uhr beschlich mich ein Gefühl der Erleichterung: „Wow, nur Nieselregen und fast zweistellige Temperaturen.“ 8:36 Uhr Zieleinlauf beim 10 km Lauf: nach und nach kommen ganz locker die ersten Läufer ins Ziel: 35:50 Min! Die müssen eine andere Zeitrechnung haben als ich, eindeutig! So schnell kann man mit der üblichen physischen Grundausstattung eines homo sapiens gar nicht werden (Wir wandern 5 km in einer Stunde). Was für ein Tempo, denke ich, und jubele und klatsche und jubele, was für ein Tempo! Bewundernswert, nein auch ein bisschen beneidenswert. Wie schafft man das nur? Ein wenig plagt mich nun doch das Gewissen. Kann man tatsächlich gegen die Widrigkeiten des Alterns anlaufen? Vielleicht sollte ich besser die Fitnessbücher ins Regal stellen und erstmal mit leichtem Trab anfangen…nur eine kleine Strecke für den Anfang.

Und dann: immer mehr Läufer in weißem Shirt mit dem Logo „Wir sind eins“ erreichen das Ziel. Diese Gruppe stellt über 86 Teilnehmer, unter ihnen der Landrat Jürgen Bäuerle, der Bürgermeister von Bühlertal Hans-Peter Braun, Herr Unser, der Geschäftsführer der Lebenshilfe Ottersweier/Bühl e.V., Britt Weingand, die ehemalige Karateweltmeisterin und Patin der Lebenshilfe.

hornisgrindemarathon_wir_sind_eins

Wahrscheinlich fragen Sie nun leicht entnervt. „Kann sie vielleicht mal endlich anfangen, zusammenhängend zu erzählen?“

Also gut. Das liegt eben daran, dass ich immer noch so überwältigt bin von dem Gesamtergebnis des 37. Schöck Hornisgrinde-Marathons und darüber hinaus sogar mein rituelles Sonntagsfrühstück vergessen habe.

Vor 37 Jahren begann der erste und mittlerweile legendäre Hornisgrinde-Marathon, ausgerichtet vom TV Bühlertal. Im Laufe der Jahre entwickelte sich daraus eine 2-tägige Laufveranstaltung in den waldreichen Höhenlagen um Hundseck mit diversen Angeboten: Genussbiken, Walken und Nordic Walking, 10km Lauf, Halbmarathon, Marathon und einem 1000m Schülerlauf. Viele Schöck Mitarbeiter sind begeisterte Sportler und einige schon lange im TV Bühlertal aktiv.

Da solche Veranstaltungen grundsätzlich finanziell schwer zu stemmen sind, aber gleichzeitig von unschätzbarem Wert für die Region, nahm sich eben einer der vorhin belächelten Mittvierziger ein Herz. Er brachte alle Verantwortlichen zur Überzeugung, dass es 2009 den ersten Schöck-Hornisgrinde-Marathon geben muss. Das ist eine einmalige Chance für die Kontinuität der Veranstaltung, aber auch für die Firma, sich regional zu engagieren. Von Anfang an stand aber auch fest, dass an der wunderbar familiären Atmosphäre nichts verändert werden darf. Es würde keine VIPs mit VIP Lounge geben, wie das bei Firmen oft üblich ist. Es handelt sich nach wie vor um einen Landschaftsmarathon und einen Volkslauf, da sind eben alle gleich.

Lediglich ein bisschen frischer Wind war gefragt, damit die Veranstaltung wieder mehr junge Leute anzieht. Jeder Mensch fühlt sich eher motiviert, wenn es für seine Handlung einen übergeordneten Sinn gibt. So keimte die Idee auf, die Lebenshilfe mit einzubeziehen. Vor zwei Jahren wurde deren Kampagne „Wir sind Eins“ gestartet, um Brücken für eine integrative Gesellschaft zu bauen. Für die Organisatoren war klar, dass ein Volkslauf für alle sein sollte, bei dem dann Menschen mit und ohne Handicap gemeinsam teilnehmen können. Schöck setze also 5 € Startgeld auf jeden Teilnehmer des 1000m Laufes, die dann in die Sportförderung der Lebenshilfe fließen sollten. Ohne große Werbung meldeten sich über 60 Schülerinnen und Schüler an, insgesamt wurden dann 83 Startnummern ausgegeben. Dass dann noch aus reiner Solidarität und Begeisterung an die 100 Voranmeldungen des Teams „Wir sind Eins“ für den 10 km Lauf eintrafen, konnte niemand im Voraus ahnen.

Natürlich waren alle gut trainierten Läuferinnen und Läufer beeindruckend und deren Leistung verdient unsere ganze Anerkennung. Richtig in Euphorie kam ich aber während des Schülerlaufs, als die letzen 20 Laufmeter gesäumt waren von klatschenden und anspornenden Menschen.

hornisgrindemarathon_schueler

Alle Schülerinnen und Schüler trafen gleichermaßen stolz im Ziel ein. Für einige war es aber auch ein unvergesslicher Moment, weil es leider wenige dieser integrativen Sportveranstaltungen gibt.

Und ab jetzt werde ich jeden Sonntagmorgen wehmütig an den frischen Nieselregen denken, die vielen glücklichen Gesichter und natürlich an die tolle Verpflegung im Zelt. Und die Jahresringe? Was solls, ab jetzt wird gelaufen und nächstes Jahr wieder gejubelt. Und was machen Sie nächstes Jahr um diese Zeit?

Ach ja: wenn sie an den „harten Fakten“ interessiert sind, nutzen sie doch unseren Link zu www.laufreport.de oder zu den Ergebnislisten des TV Bühlertal: www.tv-buehlertal.de.

So, und nun noch einige Eindrücke vom besagten Marathon-Wochenende:


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1 Kommentar zu "Endlich Wochenende – endlich Marathon!"
Lauffreund Achern schreibt am 27. Juli 2009 um 15:58

Man was für ein toller Bericht von einer klasse Veranstaltung…und die Bilder! Das ist der beste Firmenblog den ich kenne, machen Sie bitte weiter…der Hornisgrinde Marathon hat durch Ihr Engagement dazu gewonnen.

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