Michael Baehr

Welcher Schallschutz ist geschuldet?

Gedanken zu den Anforderungen an den Schallschutz anlässlich der 12. Staffel des Schöck Schallschutzsymposiums

Was immer wieder interessiert diskutiert wird, sind die Anforderungen an den Schallschutz. Auf den ersten Blick scheint dies ein sehr verwirrendes und juristisch schwieriges Thema zu sein, auf den zweiten jedoch ist die Sachlage relativ klar. Wichtig ist hierbei, sich klar zu machen, dass es juristisch grundsätzlich zwei Bereiche gibt, und zwar den bauaufsichtlichen (d.h. öffentlich-rechtlichen) sowie den privatrechtlichen Bereich. Für ersteren, also für den bauaufsichtlichen Schallschutz, ist die Sachlage einfach: da die Anforderungswerte der DIN 4109 in jedem Bundesland bauaufsichtlich eingeführt sind, sind diese (Mindest)-Anforderungswerte bei jedem Bauvorhaben unbedingt einzuhalten. Erst durch die bauaufsichtliche Einführung werden die Mindest-Anforderungswerte ihres privaten Empfehlungscharakters entledigt (DIN-Normen etc. sind keine Rechtsnormen, sondern sind a priori private Empfehlungen und Richtlinien!).

Bauaufsichtlich ist die Sache also klar: die Mindestanforderungen der DIN 4109 sind in jedem Falle einzuhalten. Nur, was ist nun privatrechtlich geschuldet?

Dafür gibt es eigentlich eine einfache und eindeutige Antwort: privatrechtlich ist dasjenige Schallschutzniveau geschuldet, welches werkvertraglich zwischen Planer und Bauherr vereinbart worden ist, d.h. der Schallschutz, der vom Bauherrn bei der Beauftragung beim Planer „bestellt“ wurde.

Der Markt benötigt für diesen privatrechtlichen Bereich dringend praxistaugliche Schallschutz-Ratgeber, welche auf Planer und Bauherren zugeschnitten sind. Aus diesen Überlegungen heraus hat sich die DEGA (Deutsche Gesellschaft für Akustik) die Aufgabe gestellt, solch einen praxistauglichen Ratgeber zu erarbeiten. Mittlerweile liegt dieser Schallschutz-Ratgeber in einer Entwurfsversion vor (DEGA-Empfehlung 103 „Schallschutz im Wohnungsbau – Schallschutzausweis“). Noch in diesem Frühjahr soll die offizielle Version veröffentlicht werden. Das Entscheidende beim DEGA-Schallschutzausweis ist, dass in Form von Schallschutzqualitätsstufen A*, A, B, C usw. anschaulich und auch für schalltechnischen Laien nachvollziehbar die akustische Qualität einer Wohnung oder eines Gebäudes aufgezeigt wird, indem die Schallschutzstufenqualität anschaulich genau beschrieben wird (z.B. „laute Musik noch hörbar“, „Gehgeräusche gerade noch hörbar“ etc.). Der Entwurf zum DEGA-Schallschutzausweis kann unter www.dega-akustik.de/publikationen heruntergeladen werden.

Es bleibt zu hoffen, dass der DEGA-Schallschutzausweis zukünftig von den Planern und Bauherren genutzt wird, um für jeden nachvollziehbar die vom Bauherren gewünschte Schallschutzqualität werkvertraglich festzulegen. Denn wer bestellt schon ein Auto, ohne die gewünschte Lackfarbe eindeutig mit anzugeben?


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1 Kommentar zu "Welcher Schallschutz ist geschuldet?"

Tirok schreibt am 24. November 2009 um 01:33

informativ und aktuell – vielen Dank

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